Die Zeit der Gründung der Bibliothek Loosdorf
Josef Weilinger
2. Klasse Volksschule, 1896, Bildmitte Josef Weilinger
Die politischen und sozialen Verhältnisse gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren geprägt von einer auslaufenden Zeit der Monarchie. Es war eine romantisch-nationale Zeit. Durch Büchereien wollte man der heimischen Bevölkerung, aber auch den „Sommerfrischlern“ aus der Stadt, die nationale schöne Literatur nahebringen. Heimatdichter wie Peter Rosegger standen hier an oberster Stelle.
Lehrkörper, 1906 (stehend rechts J. Weilinger)
So kam es dazu, dass bereits am 25. Februar 1894 in Loosdorf vom damaligen Lehrer und späteren Direktor Herrn Josef Weilinger die Volksbücherei Loosdorf gegründet wurde. Diese Büchersammlung in der Volksschule Loosdorf umfasste 160 Bände. Den Schülerinnen und Schülern wurde diese schöngeistige Literatur im Unterricht doch eher mehr aufgedrängt als nahegebracht, sodass das Büchereiwesen eher florierte. Nichts desto trotz war man sich auch bereits damals bewusst, welche Bedeutung eine derartige Institution für die Bildung und Freizeitgestaltung einer Gemeinde hat.
Volksschule 1930
Kirchenchor Loosdorf um 1910
Josef Weilinger war in der Gemeinde Loosdorf sehr stark (politisch) verankert und agierte auch als Gemeindesekretär unter Herrn Bürgermeister Josef Ebeseder, einem Gastwirt. Bei den Neuwahlen 1919 erlitt die christlich-soziale Partei einen herben Rückschlag und die Bürgerliste „Wirtschaftspartei“ kam an die Spitze von Loosdorf. Lt. Gemeinderatsprotokoll 1, 283 vom 29. November 1919 ersuchte Josef Weilinger den Gemeinderat um Überlassung eines Lokals für die Volksbibliothek. Dies wurde dem Wohnungsamt mit dem Vorbehalt übergeben, dass der Gemeinde daraus keine Kosten erwachsen dürfen. Zum 30-jährigen Bestandsjubiläums der Bücherei wurde eine Subvention von 2 Mio. Kronen zugestanden (GR-Protokoll 1, 310 vom 9. Mai 1924), was jedoch infolge der Inflation so hoch ausgefallen war.
Josef Ebeseder, Bürgermeister 1904 – 1919
Nach dem Ende der Monarchie und den damit verbundenen politischen Veränderungen entwickelte sich auch in Loosdorf ein ganz anderes System. Die Bezirkshauptmannschaft übte einen intensiven Druck auf die Besetzung der Gemeinderäte aus. Die Vorzeichen zum Anschluss an Deutschland waren schon stark bemerkbar. Auch die Nähe zur Bundeshauptstadt Wien, wo sich gerade im schulischen Bereich sehr viel weiterentwickelte und der Schulreformer Otto Glöckel das Bildungssystem prägte, färbte auf die Gemeinde Loosdorf ab.

Feuerwehrkommande Loosdorf um 1906
(stehend rechts J. Weilinger)

Schulhof, 1925 (Obstbaumanlage)
Die Bücherei Loosdorf ab 1930
1930 unterzeichnete Bürgermeister Karl Haydn mit dem Gemeinderat Plaim einen Mietvertrag mit Rosalia Litti mit einem Mietzinssatz von 35,00 Schilling. (GR-Protokoll 1, 354 vom 18. September 1930)
1931 übersiedelte die inzwischen auf mehrere 100 Bände angewachsene Bücherei in die Bahnhofstraße 23. Lt. Gemeinderatsprotokoll 1, 374 vom 13. Februar 1931 legte die Büchereileitung 21 neue Bände vor und ersuchte, diese als Spende anzuschaffen. Die Anschaffung wurde beschlossen. Ab 1945 wurde die Bücherei als „Gemeindebücherei“ weitergeführt und von Direktor Weilinger insgesamt 65 Jahre lang betrieben.
Karl Haydn Bürgermeister Loosdorf 1919 – 1938, 1945/46
1959 übernahm Josefine Hamon die Leitung. 1960 kam es zur Übersiedelung in die neue Volks- und Hauptschule in der Otto-Glöckel-Straße, wo sie als Freihandbücherei unter modernen Grundsätzen geführt wurde.
1983 wurde Auguste Grünsteidl mit der Büchereileitung betraut und betreute mit Anna Nitschner die Gemeindebücherei. Doch auch dort wurden die Räumlichkeiten immer enger und enger und durch die Um- und Ausbauarbeiten der Schule machte man sich Mitte der 90iger Jahre auf die Suche nach einer neuen Bleibe.
Im März 1995 zogen die beiden Damen mit ihrem gesamten Buchbestand in das neue Rathaus am Europaplatz 11 ein und die Bücherei wurde auf eine neue Basis gestellt. Ein Team übernahm die Führung und zog in die großzügig eingerichteten Räumlichkeiten. Der sehr veraltete Buchbestand von 5600 Büchern wurde gründlich ausgemustert und so war der Weg zu einer zeitgemäßen, EDV-gestützten „Mediathek und Infothek“ beschritten. Mit 3800 Büchern startete die Leiterin OSR Auguste Grünsteidl, gemeinsam mit Josefine Batsch, Ingrid Gramm, Marianne Haunlieb, Sabine Koppensteiner und Kornelia Roßbory.
Villa Litti, Bahnhofstraße 23,
nach 1900

Neue Volks- und Hauptschule,
Otto-Glöckel-Straße

19er Haus, Europaplatz 11, 1995
Der Medienbestand, die Entlehnzahlen und die Anzahl an Leserinnen und Lesern stieg seither kontinuierlich an.
Gesundheitsbedingt legte Frau Grünsteidl 2003 dann die Leitung der Bücherei zurück, blieb dem Büchereibetrieb jedoch beratend und ehrenamtlich zeitlebens tatkräftig verbunden.
2003 trat Kornelia Roßbory an die Spitze des Teams um Marianne Haunlieb, Elisabeth Gravogl, Andrea Reitter und Heidemarie Strohmaier. Sie setzte mit ihren Mitarbeiterinnen den Weg der Bücherei Loosdorf zu einer wertvollen und unentbehrlichen Bildungseinrichtung für die Gemeinde fort.
Vielfältige Aktivitäten wie Lesungen, Ferienpassaktionen, Bastelstunden, Spielefeste, Veranstaltungen für Kinder zum Andersentag, Flohmärkte und noch vieles mehr sind dabei zu nennen.
Im Laufe der Jahre formierte sich das Team neu: Einige schieden aus, Melitta Schraml, Edith Grabmann und Susanne Bauernfried übernahmen deren Aufgabengebiete. Christine Gutauer stieß als ehrenamtliche Mitarbeiterin zum Büchereiteam hinzu.
2018 übernahm Melitta Schraml die Büchereileitung. Sie arbeitet seither engagiert und fokussiert am Fortbestand bzw. an einer ständigen Erweiterung des Büchereiangebotes. Als Ersatz für Susanne Bauernfried und Edith Grabmann wurden im März bzw. August 2018 Susanne König und Sylvia Puschner in der Bücherei aufgenommen und übernahmen die anstehenden Aufgaben. Unterstützend im Team übernehmen Kerstin Rösel und Andrea Rappersberger fallweise Urlaubs- und Krankenstandsvertretungen.
Im Herbst 2022 übersiedelte die Bücherei in das ehemalige Kaufhaus Alfery in die Wachaustraße 1.
Quelle: Chronik Öffentliche Bücherei Loosdorf, Stationen, Gönner und Weggefährten, 2022 Marktgemeinde Loosdorf

Wachaustraße 1, 2022


